Brexit: Folgen für den Tourismus

Dass der Austritt Großbritanniens aus der EU weitreichende Konsequenzen hat, steht inzwischen außer Frage. Auch die Torismusbranche auf der Insel könnte die Folgen schmerzlich zu spüren bekommen und mit bis zu fünf Milliarden Pfund weniger Umsatz auskommen müssen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage des Reiseportals Travelzoo.

Demnach droht Großbritannien mit dem Ausscheiden aus der EU nun ein Rückgang von fast einem Drittel an Besuchern aus Deutschland, Italien und Spanien. Aus Frankreich sollen rund 25 Prozent weniger Gäste kommen. Mehr als ein Viertel aller Gäste in Großbritanniens kommt bislang aus Europa. Der RA Reiseanalyse 2016 zufolge landet Großbritannien auf Platz vier der beliebtesten Kurzurlaubsziele der Deutschen im Ausland. Bei den Städtereisen liegt London auf Platz eins der beliebtesten Destinationen der Deutschen.

„Im vergangenen Jahr besuchten über 3,25 Mio. Deutsche das Vereinigte Königreich, die dort fast 1,8 Mrd. Euro ausgegeben haben. Laut unserer Umfrage deutet nun vieles darauf hin, dass es mit dem positiven Brexit-Votum sehr wahrscheinlich zu einem Einbruch der Besucherzahlen kommen könnte“, sagt Christian Smart, Geschäftsführer Travelzoo Deutschland. Als Gründe nennt er Bedenken um Visa und weitere mögliche Währungsschwankungen.

Das Urlaubsreiseportal Travelcircus hingegen rechnet aufgrund der Abwertung des Britischen Pfund mit einem verstärkten Buchungsaufkommen insbesondere für Reisen nach London. Wie das Unternehmen mitteilt bietet es deswegen ab sofort eine größere Auswahl an Reisepaketen für die Metropole an.
Die Währungsschwankungen werden auch nicht ohne Folgen für das Reiseverhalten der Briten bleiben. „Mit dem Brexit gehen nahezu alle Finanzmarkt-Experten davon aus, dass es zu einer Abwertung der britischen Währung im Verhältnis zum Euro kommen wird. Da dies bereits der Fall ist, werden die Produkte und Dienstleistungen in der EU aus Sicht der Briten teurer. Demnach ist von steigenden Preisen für britische Urlauber auszugehen. Dies wiederum wird Auswirkungen auf das generelle Reiseverhalten haben", sagt Volker Böttcher, Direktor des Instituts für Tourismusforschung (ITF) der Hochschule Harz.

Die Travelzoo-Umfrage wurde in den fünf bevölkerungsreichsten EU-Mitgliedsstaaten sowie in Nordamerika mittels Online-Fragebogen durchgeführt. Die Umfrage beantworteten 4950 Travelzoo-Mitglieder in Deutschland, Frankreich, Spanien, USA und Kanada. Zusätzlich wurde die Umfrage unter 2004 Briten und 1003 Italienern extern durch Atomik Research durchgeführt. Zum Teil waren Mehrfachantworten möglich.